Schriftzug Operette 'Die Csárdásfürstin'
Sujet Operette 'Die Csárdásfürstin'
Operette


von Emmerich Kálmán

18. Januar bis 9. März 2025

Löwensaal Beinwil am See

Die Csárdásfürstin

Kurzfassung

Die Budapester Chansonnière Sylva Varescu und Fürstensohn Edwin lieben einander. In der Nacht vor ihrer Amerikareise lässt Edwin ein notarielles Eheversprechen aufsetzen — dann holt ihn ein Einberufungsbefehl nach Wien, wo längst eine Verlobung mit Cousine Stasi arrangiert ist. Sylva erscheint dort als angebliche Gräfin, erkennt aber, dass Edwin sie nur unter geliehenem Titel heiraten würde, und gibt ihn frei. Erst als sich herausstellt, dass auch Edwins Mutter eine ehemalige Varietésängerin ist, bricht der Widerstand des Vaters zusammen. Zwei Paare finden zusammen — vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, die kurz vor dem ersten Weltkrieg ausgelassen weiterfeiert.

Steckbrief

Werk
Die Csárdásfürstin
Gattung
Operette in drei Akten
Musik
Emmerich Kálmán
Libretto
Leo Stein und Béla Jenbach
Uraufführung
17. November 1915, Johann-Strauß-Theater, Wien
Schauplatz
Budapest und Wien, unmittelbar vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Handlung

Erster Akt

Abschiedsvorstellung. Der Vorhang hebt sich auf den Schlussapplaus: Sylva gibt im siebenbürgischen Nationalkostüm ihr Erfolgslied "Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland" — das Publikum singt und klatscht mit. Sie verabschiedet sich vom Publikum, weil sie zu einer Amerikatournee aufbricht; um 3.40 Uhr geht der Schnellzug nach Triest, von dort mit dem Schiff nach New York.

Die Kavaliere. Boni und Feri bleiben mit einigen Herren zurück und feiern in "Alle sind wir Sünder / Die Mädis vom Chantant" ihre Existenz als Varieté-Habitués. Feri erinnert daran, dass Boni Sylva entdeckt und gefördert hat — angeblich völlig uneigennützig. Boni hat für den Abend ein Abschiedssouper im Orpheum arrangiert. Nebenbei bringt er ein bereits den ganzen Abend liegengebliebenes Telegramm aus Wien zur Sprache: Edwins Vater verlangt ultimativ die Rückkehr des Sohnes und die Beendigung der Affäre mit der Chansonette. Boni erklärt Feri trocken, dass ein Lippert-Weylersheim eine Varietédame allenfalls in Operetten heirate.

Edwin und Sylva. Edwin trifft ein, schickt Sylva einen dringenden Zettel in die Garderobe, wird von Boni erfolglos zur Vernunft gebracht und wirft ihm im Streit vor, selbst in Sylva verliebt zu sein — was Boni ruhig zugibt, ohne daraus Ansprüche abzuleiten. Im Duett "Sylva, ich will nur dich / Mädchen gibt es wunderfeine" gestehen sich beide ihre Gefühle; Sylva versucht, das Ganze als vorübergehenden Rausch abzutun, gibt aber nach.

Souper. Boni verteilt Abschiedsgeschenke an die Varietédamen und singt "Aus ist's mit der Liebe / Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht" — ein Treueschwur, der schon in der ersten Strophe widerrufen wird. Beim Souper bricht Sylvas beherrschte Fassade kurz zusammen; sie fängt an zu weinen und spricht von ihrer Mutter und den Schwestern zu Hause. Es folgt ihr Lied "O jag dem Glück nicht nach / Heissa, so verliebt zu sein".

Der Einberufungsbefehl. Rohnsdorff erscheint im Automobilanzug und überbringt Edwin die Einberufung: persönliche Meldung beim Korpskommando noch am selben Vormittag. Edwin durchschaut sofort, dass sein Vater das eingefädelt hat. Rohnsdorff hält ihm zusätzlich vor, dass zu Hause eine Braut auf ihn wartet — Stasi, mit der Edwin sich vor fünf Jahren als Student verlobt hat und was er nie ernst genommen hat. Die Eltern drängen inzwischen auf die Hochzeit.

Finale I — die Juxhochzeit. In einer Mischung aus Trotz, Champagner und echter Verzweiflung verkündet Edwin öffentlich, Sylva bleibe — kraft seines Rechts als Gatte. Der verschlafene Notar Kisch wird aus dem Kaffeehaus geholt und muss protokollieren: Edwin erklärt feierlich, Sylva Varescu binnen acht Wochen vor Gott, Gesetz und Welt zur rechtmässigen Gattin zu machen. Die Mädchen stecken Sylva einen improvisierten Schleier aus ihrem Blumenstrauss ins Haar, Feri nimmt beiden eine Art Eheversprechen ab, beide unterschreiben. Ein Csárdás bricht los — bis Rohnsdorff eintritt und Edwin an sein Offizierswort erinnert. Sylva selbst bittet ihn zu fahren; Edwin verspricht, sie zu holen.

Der Umschlag. Kaum ist Edwin fort, zeigt Boni Sylva die bereits gedruckte Verlobungsanzeige Edwins mit Komtesse Anastasia Eggenberg, die Rohnsdorff ihm gegeben hat. Sylva bricht fast zusammen, fängt sich, erklärt den Ehekontrakt zum wertlosen Wisch und wirft ihn zu Boden — Boni hebt ihn heimlich auf und steckt ihn ein. Sylva reist doch nach Amerika. Der Akt endet leise: Feri bleibt allein zurück und lässt sich vom Primas "Die Mädis vom Chantant" ins Ohr geigen.

Zweiter Akt

Ballnacht. Zwei Monate später. Der Fürst freut sich, dass sein Sohn sich "getröstet" hat. Im Duett "Ich warte auf das grosse Wunder / Machen wir's den Schwalben nach" verhandeln Edwin und Stasi ihre bevorstehende Ehe halb scherzend, halb ernüchtert. Stasi ist bemerkenswert offen: Sie weiss von Sylva, weiss von Edwins unbeantworteten Telegrammen, und sie merkt, dass die Sache nicht erledigt ist. Edwin schiebt die offizielle Verlobung hinaus — er müsse noch "eine Nachricht abwarten", ein Geheimnis. In einer der komischsten Szenen des Stücks legen sich die Eltern daraufhin zurecht, ihr Sohn habe ein uneheliches Kind, und streiten darüber, ob es zu einer Amme aufs Land soll.

Der Auftritt der falschen Gräfin. Sylva erscheint im Hermelin an Bonis Arm und lässt sich als "Graf und Gräfin Kancsianu" melden — Boni hat ihr für diesen Abend sein Wort gegeben, ihren Mann zu spielen. Der Gast Mac Grave findet ihre Ähnlichkeit mit einer Künstlerin auffällig, die er in New York gesehen hat, und erzählt dabei die Legende, aus der der Titel des Stücks stammt: die Sängerin sei in Ungarn die Braut eines Fürsten gewesen, der sie sitzen liess — seither nenne man sie nur noch die Csárdásfürstin. Sylva pariert das kaltblütig; der Fürst versichert, eine Brettldiva könne unmöglich wie eine Aristokratin aussehen, er würde die beiden sofort auseinanderkennen. Edwin erkennt sie beim Vorstellen sofort, wird aber ausgelacht.

Vier Verliebte über Kreuz. Boni verliebt sich prompt in Stasi ("Mädel, guck / Das ist die Liebe, die dumme Liebe"), Edwin macht Stasi demonstrativ den Hof, Sylva spielt Boni gegenüber die zärtliche Gattin — das Quartett "Liebchen, mich reisst es" ist das musikalische Herzstück dieses Spiels. Dazwischen das Wiedersehensduett "Heller Jubel / Weisst Du es noch" (der berühmte c-Moll-Walzer), in dem beide die Orpheum-Nacht als blossen Traum abtun und einander nicht glauben.

Die entscheidende Auskunft. Sylva fragt den Fürsten beiläufig, wie er reagiert hätte, wenn sein Sohn ein Chantant-Mädel hätte heiraten wollen. Die Antwort ist eindeutig: ausgeschlossen. Kurz darauf willigt Boni auf Edwins Bitte in die "Scheidung" ein — seine Ehe sei ohnehin keine. Edwin ist überglücklich, bis er im Gespräch mit Sylva den entscheidenden Fehler macht: Vor seinen Eltern solle sie die geschiedene Gräfin Kancsianu bleiben, denn eine geschiedene Gräfin dürfe ein Fürst Lippert-Weylersheim heiraten — die Chansonette nicht. Auf Sylvas Nachfrage räumt er ein, er hätte sein Wort zwar gehalten, glücklich wären sie aber nicht geworden. Sylvas Reaktion — sie lässt sich ihren Mantel bringen und will gehen — ist der Wendepunkt: Er schämt sich ihrer.

Finale II. Als der Fürst die Verlobung Edwins mit Stasi proklamieren will, bleibt Sylva doch. Edwin unterbricht seinen Vater und bekennt sich zu einer anderen; Stasi gibt ihn grossmütig frei und wendet sich Boni zu. Auf die Frage, wer diese andere sei, antwortet Sylva, sie sei bereits eine Fürstin Weylersheim — und überreicht dem Fürsten den Ehekontrakt, den Boni aufgehoben hatte. Die acht Wochen laufen an genau diesem Abend ab. Edwin erklärt sich sofort bereit, sein Wort zu halten, komme was wolle. Sylva jedoch nimmt ihn nicht beim Wort: Sie zerreisst den Vertrag, gibt ihn frei, bleibt die Chansonette und geht — mit seinem eigenen Satz, dass sie ja doch nicht glücklich geworden wären. Boni folgt ihr.

Dritter Akt

Unmittelbar anschliessend, nach Mitternacht. Sylva und Boni sitzen erschöpft in Klubsesseln; Boni macht ihr milde Vorwürfe wegen des Skandals, Sylva beharrt darauf, dass Edwin nicht sie, sondern die Gräfin heiraten wollte.

Die Budapester sind da. Zufällig wohnt Feri im selben Hotel — mit der Varietétruppe, die am nächsten Tag im Apollo auftritt. Wiedersehensfreude. Sylva erklärt, sie werde nicht mehr auftreten, sondern heiraten — und deutet auf Boni. Feri hält das für die grösste Dummheit ihres Lebens und wirbt in seiner grossen Szene dafür, dass die Kunst ihr zurückgeben werde, was die Liebe ihr genommen hat. Es folgt das Terzett "Nimm, Zigeuner, deine Geige / Jaj mamám, Bruderherz, ich kauf' mir die Welt" — mit Bonis fatalistischer Strophe vom Jammertal als Nachtlokal, der Nummer, die dem heiteren Akt seinen doppelten Boden gibt.

Bonis Telefon-Verlobung. Edwin taucht auf und sucht Sylva; Boni versteckt ihn, als der Fürst erscheint. Der Fürst ist vor allem erleichtert, dass seinem Sohn nichts zugestossen ist. Boni zieht in aller Form weisse Handschuhe an und hält beim Fürsten um Stasis Hand an — und erledigt den Antrag dann kurzerhand per Telefon, samt Kuss in die Muschel.

Miskolcz. Der eigentliche Knoten löst sich beiläufig: Feri, der den Fürsten nicht kennt, erzählt ihm, er selbst hätte sich seinerzeit alle Finger abgeschleckt nach der "Kupfer-Hilda" vom Orpheum in Miskolcz, doch Graf Zentler sei ihm zuvorgekommen, als sie Witwe war. Er zeigt sogar ihr Bild. Der Fürst erkennt seine eigene Frau. Als Anhilte auftritt, erkennt Feri sie nicht wieder — der Fürst atmet auf, ist aber innerlich fertig: Er habe die Primadonna von Miskolcz geheiratet, sein Sohn sei erblich belastet, sein Stammbaum zerfalle in lauter Brettl. Jeder Widerstand gegen Sylva ist damit gegenstandslos.

Bonis Schwindel. Stasi macht ihre Hochzeit zur Bedingung, dass zuvor Sylva und Edwin zusammenfinden. Boni inszeniert daraufhin ein fingiertes Telefongespräch: Er tut, als spreche er mit einem selbstmordgefährdeten Edwin, der einen Revolver in der Hand halte. Sylva, ausser sich, ruft ihre Liebeserklärung in den Raum — und Edwin, der unbemerkt eingetreten ist, hört sie. Boni telefoniert unterdessen ahnungslos weiter und gibt die Botschaft in komisch verdrehter Form durch. Beide Paare finden zusammen; das Schlussensemble greift "Tausend kleine Englein singen" auf.

Quellen

  1. Opera Guide (opera-guide.ch), vollständiges deutsches Librettohttps://opera-guide.ch/operas/die+csardasfurstin/libretto/de/ — Szenenfolge, Schauplatzangaben, Regieanweisungen, Handlungsdetails aller drei Akte
  2. Wikipedia (de): „Die Csárdásfürstin"https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Csárdásfürstin — Werkdaten, Personenverzeichnis, Musiknummernfolge, Entstehungs- und Fassungsgeschichte, Bearbeitung 1954, Filmadaptionen.
  3. Opera Guide, englische Synopsishttps://opera-guide.ch/operas/die+csardasfurstin/synopsis/en/ — abweichende Schlussvariante mit der Amerikareise.
  4. Opernhaus Zürich, Werkeinführung/Regiegespräch (Jan Philipp Gloger, 2020)https://www.opernhaus.ch/spielplan/kalendarium/die-csardasfuerstin/ — dramaturgische Einordnung des dritten Akts und des Stücks als „Krisenstück".
  5. StageAgent, Werkeintraghttps://stageagent.com/shows/operetta/11045/die-csrdsfrstin — Hinweis auf die internationalen Bearbeitungen (The Riviera Girl, New York 1917; The Gipsy Princess, London 1921) und die daraus folgenden Abweichungen.
  6. Stadt Schönebeck, Operettensommer-Ankündigunghttps://www.schoenebeck.de/de/aktuelles-detail-stadtleben/die-csrdsfuerstin.html — Bestätigung der Werkdaten.

Bilder Produktion 2025, Beinwil am See

Unser Ensemble der Spielsaison 2025